Boden-Profil auf einem Feld auf dem Demeter-Hof Medewege vom 22.5.2014 (Foto: Hoffmann)

Bio-Boden mit Profil!

(Beschreibung zum 5.Dez:) Mehr als 95% der menschlichen Ernährung wird direkt oder indirekt auf Böden produziert. Böden sind auf dem Festland die Grundlage für unsere Ernährung und somit auch für das menschliche Überleben.
In der industriellen Pflanzen- und Tierproduktion führt die Arbeit mit Agrochemikalien und großen, schweren Maschinen weltweit zu einer Verschlechterung der Bodenqualität durch Verdichtung, Bodenerosion und Schad-stoffeinträge. Gleichzeitig sind eine Verringerung der biologischen Vielfalt in und auf dem Boden und eine Auswaschung von Stoffen in benachbarte Gewässer festzustellen.
In Mecklenburg-Vorpommern sind die Böden zu 88% durch die Eiszeit entstandene Mineralböden und zu 12% Moorböden. Auch in Mecklenburg Vorpommern werden Böden durch die zunehmende Flächeninanspruchnahme sowie durch Erosion, Verdichtung und Schadstoffeinträge belastet. Durch die Versiegelung gehen in Mecklenburg-Vorpommern täglich 7ha Boden verloren. Die Böden sind zu 39% durch Bodenverdichtung gefährdet, zu 10% durch Wassererosion sowie zu 7% durch Winderosion.
Im ökologische Landbau wird die Bodenfruchtbarkeit nachhaltig verbessert durch eine Bodenschonende Landbewirtschaftung, die ein System umfasst von standortangepassten Maßnahmen wie die Schlageinteilung, die Anlage von mehrreihigen Feldhecken, die Herbst- bzw. Winter-Begrünung sowie die Direkt- oder Mulchsaat in einer weiten, vielfältigen Fruchtfolge. Die Zufuhr von organischer Substanz, ob Festmist oder Kompost, führt durch die Lebendverbauung im Ton-Humus-Komplex zu einer optimalen Boden-Gare.

Abb.2: Ansprache des Bodenprofils am 22.5.2014 durch Herrn Idler vom LUNG (Foto: Roloff)
Im Rahmen des durch den BUND Mecklenburg-Vorpommern angeregten Projektes „BIO-Boden mit Profil“ wurde im Mai 2014 ein Bodenprofil gegraben. Auf einem Acker des Demeter-Hofs Medewege bei Schwerin nahm die Firma Umweltconsulting Dr. Hoffmann aus Berlin eine ungestörte Bodenprobe und fertigte daraus dieses Lackprofil.
Gleichzeitig wurde erstmals eine Boden-Dauer-Beobachtungsfläche angelegt. Damit können langfristig die Veränderungen des Bodens durch biologisch-dynamischen Landbau untersucht werden sowie Veränderungen des Humusgehalts, der Aggregatstabilität oder der Wasserhaltefähigkeit des Bodens und welchen Einfluss die Wirtschaftsweise auf die Artenvielfalt am Standort Medewege hat.

Bodentyp

Unser Boden ist ein Parabraunerde-Pseudogley. Der Name kombiniert zwei unterschiedliche Prozesse im Boden.
Die Parabraunerde ist ein Bodentyp, bei dem Ton aus dem oberen Profilbereich, verlagert wird und im Unterboden (Bt) angereichert wird. Den klassischen Al-Horizont (l=lessive, Tonauswaschung) der Parabraunerde finden wir in diesem Profil nicht, weil andere Bodeneigenschaften (Humusgehalt, Stauwasser) dies überdecken.
In einem Pseudogley bestimmt stauendes Sickerwasser das Bild (im Unterschied zu Vergleyung durch Grundwassereinfluss). Wenn Wasser nur langsam versickert, kann das im Boden enthaltene Eisen „rosten“. Dadurch entsteht eine typische fleckige Farbstruktur in den oberen Bereichen in denen viel Sauerstoff vorhanden ist und eine hellere, bleiche Farbe wo wenig Sauerstoff vorhanden ist. Hier wird das vorhandene Eisen ausgewaschen. Weil BodenkundlerInnen den dominierenden Faktor der Bodenbildung in der Aufzählung nach hinten setzen, hier die Pseudovergleyung im Verhältnis zur Tonverlagerung, erhalten wir als Bezeichnung/Name? den Parabraunerde-Pseudogley.

Bodeneigenschaften

Der Boden ist nach landwirtschaftlichen Gesichtspunkten ein leichter, also leicht zu bearbeitender Boden und gut durchwurzelbar. Gänge von Pflanzenwurzeln finden sich noch unter halb von 100 cm Tiefe. Regenwürmer bohren ihre Gänge bis in etwa 60 cm Tiefe.
Als Bodenarten finden sich Sandlehm (Slu, Sl4) bzw. Lehmsanden (Sl3) die maximal 12 bzw. 17% Ton enthalten. Aufgrund des relativ hohen Feinanteils (Schluff+Ton) von etwa 50% weist der Boden eine gute Wasserspeicherfähigkeit auf, die dazu beiträgt, dass auch längere Trockenperioden von den Pflanzen gut überstanden werden.
Trotz der relativ niedrigen Humusgehalte speichert der Boden etwa 13,5 Tonnen Humus (ca. 7 t org. Kohlenstoff) je Hektar und stellt damit einen wichtigen Kohlenstoffspeicher im Ökosystem dar.
Für Sie als KonsumentInnen ist es spannend zu entdecken, auf was für einem Boden die Pflanzen für Ihre Bio-Lebensmittel heranwachsen. Sie können bei genauem Betrachten die Wege der Regenwürmer im Boden erkennen und sehen, wo diese sich bewegten und Sie können die Relikte der letzten Eiszeit in Form des Bodenmaterials entdecken, vor Allem an Hand der großen und kleinen Steine, die im Profil erkennbar sind.

Text: Dr. Burkhard Roloff & Dr. Christian Hoffmann

Übergabe des Bio-Boden-Profils an die Hofgemeinschaft Medewege am Welt-Boden-Tag

(Presseeinladung vom 25.11.2014)

- BUND fordert von Landesregierung Bodenzustandsbericht und Boden-schutzprogramm

Am Freitag, dem 05.12.2014, dem Welt-Boden-Tag wird während einer öffentlichen Veranstaltung das 1. Lack-Bodenprofil von einem Bio-Acker des Demeter-Hofes Medewege vom BUND an die Hofgemeinschaft Medewege übergeben.

  • Um 11.00 Uhr begrüßt Dr. Roloff vom BUND Landesverband MV und erläutert das BUND-Projekt „BIO-Boden mit Profil“. Danach findet ein Gespräch statt zwischen Dr. Roloff und dem Ackerbauern Stefan Weiß zum Boden auf dem Demeter-Hof Medewege nach 20 Jahren ökologischer Bewirtschaftung. Dr. Christian Hoffmann von Umweltconsultig aus Berlin erklärt anschließend den interessierten Teilnehmern die Anfertigung eines Lack-Boden-Profils. Danach erfolgt die feierliche Übergabe des Bodenprofils vom BUND an die Hofgemeinschaft.
  • Gegen 13:00 Uhr gibt es Bio-Mittagessen – Himmel und Erde - im Hofcafé.
  • Ab 14:00 Uhr macht Bio-Bauer Georg Wilhelm Jahn eine Hofführung zum neuen Schweine- und Kuhstall.
  • 15:00 Uhr gemeinsames Kaffetrinken im Hofcafé mit Sternberger Kuchen.

Dazu laden wir Sie recht herzlich ein!

Dr. Burkhard Roloff, erläutert das BUND-Projekt „BIO-Boden mit Profil“ und den Anlass der Presseeinladung:
„Wir wollen am diesjährigen Welt-Boden-Tag das landesweit erstmalig von einem Bio-Betrieb hergestellte Lack-Boden-Profil der Hofgemeinschaft Medewege übergeben und interessierten Menschen vorstellen, um auf den Zustand unserer Böden aufmerksam zu machen. Denn auch in Mecklenburg-Vorpommern führt die industrielle Pflanzen- und Tierproduktion täglich und oft unbemerkt zur Verschlechterung der Böden. Die Folgen sind zunehmender Flächenverbrauch sowie Erosion, Verdichtung, Verringerung der biologischen Vielfalt im Boden und Schadstoffeinträge. Wir wissen aber, durch 90 Jahre biologisch-dynamische Landwirtschaft in Deutschland und zahlreiche Feldversuche weltweit, dass der ökologischen Landbau am besten nachhaltigen Bodenschutz verwirklichen kann.“
Roloff zur Forderung nach einem Bodenschutzprogramm für unser Land: „Angesicht der immer rascher stattfindenden und zunehmenden Bodenerosion sowie der gleichzeitig immer geringeren Bodenbildung fordern wir die Landesregierung von Mecklenburg-Vorpommern auf, endlich ein Landesprogramm für Bodenschutz aufzulegen. Dieses Bodenschutzprogramm muss die bestehenden Probleme klar analysieren und konkrete Handlungsanleitung zum Erhalt bzw. zur Wiederherstellung des guten Bodenzustandes geben. Als Voraussetzung dafür fordern wir den aktuellen Bodenzustandsbericht, der bereits im Jahre 2013 fertig sein sollte und auf den wir im März auf diesen Herbst vertröstet wurden.“
Hintergrund: Im Rahmen des durch den BUND Mecklenburg-Vorpommern angeregten Projektes „BIO-Boden mit Profil“ wurde im Mai 2014 auf einem Acker des Demeter-Hofs Medewege bei Schwerin ein Bodenprofil gegraben. Die Firma Umweltconsulting Dr. Hoffmann aus Berlin nahm eine ungestörte Bodenprobe und fertigte im letzten halben Jahr daraus ein sogenanntes Lackprofil.
Gleichzeitig wurde erstmals durch Mitarbeiter des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) aus Güstrow eine 30 Meter mal 30 Meter große Boden-Dauer-Beobachtungsfläche (BDF) angelegt. Damit können langfristig die Veränderungen des Bodens durch biologisch-dynamischen Landbau untersucht werden sowie Veränderungen des Humusgehalts, der Aggregatstabilität oder der Wasserhaltefähigkeit des Bodens und welchen Einfluss die Wirtschaftsweise auf die Artenvielfalt am Standort Medewege hat. In Mecklenburg-Vorpommern befinden sich landesweit derzeit 36 Boden-Dauer-Beobachtungsflächen. Die BDF‘s dienen als Vergleichs- und Eichstandorte für den Bodenschutz bundesweit.

Der bereits 33 Jahre dauernde Schweizer DOK-Langzeitvergleich verschiedener Anbausysteme ergab in der Bio-Variante insgesamt höhere Humusgehalte, Aggregatstabilität, Wasserkapazität, Wassergehalte sowie eine verbesserte biologische Bodenqualität und eine 30% höhere Artenvielfalt. Auf dem fünfzehnjährigen Dauerversuch der Universität Gießen zu unterschiedlichen Betriebstypen im Ökolandbau ergab der ökologische Gemischtbetrieb die höchsten Humuswerte. Im viehlosen Bio-Betrieb mit Kleegras konnte noch Humusaufbau nachgewiesen werden, wobei es im viehlosen Ackerbau-Betrieb bereits nach 5 Jahren zur Humusreduzierung kam.
Der Weltbodentag (engl. World Soil Day) ist ein internationaler Aktionstag am 5. Dezember. Er wurde von der Internationalen Bodenkundlichen Union (IUSS) im Rahmen ihres 17. Weltkongresses im August 2002 in Bangkok ernannt. Mit ihm soll ein jährliches Zeichen für die Bedeutung der natürlichen Ressource Boden gesetzt und für den Bodenschutz geworben werden. Am Weltbodentag wird von der Bodenkundlichen Gesellschaft in Berlin der Boden des Jahres für das folgende Jahr präsentiert.
Der Bodenzustandsbericht sollte laut Koalitionsvertrag Nr.125 vom 05.11.2002 bereits 2013 fertig sein.

Rückfragen: Dr. Burkhard Roloff, BUND, Tel.: 0385 52133913 und 0176 25190600
Stefan Weiß, Tel.: 0385 5509153, Hof Medewege, Hauptstrasse 11, 19055 Schwerin

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Landesgeschäftsstelle, Wismarsche Straße 152, 19053 Schwerin , Tel.: 0385 52133913, Fax 0385 52133920

Frank Idler in Bodenprofil-Grube

Bio-Boden mit Profil!

  • BUND lässt auf Bio-Hof Medewege Boden-Profil anlegen
  • Landesweit erste Boden-Dauer-Beobachtungsfläche auf Bio-Acker
  • Übergabe des Boden-Lack-Profils am Welt-Boden-Tag

Landesweit erste Boden-Dauer-Beobachtungsfläche auf Bio-Acker!

In den letzen vier Tagen legten Bodenkundler Frank Idler und seine Mitarbeiter vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG) zwischen Groß und Klein Medewege landesweit die erste Boden-Dauer-Beobachtungsfläche auf einem Bio-Acker an. Auf der im Ackerstück liegenden, 30 mal 30 m großen Boden-Dauer-Beobachtungsfläche wurde der Erst-Bodenzustand erfasst und werden später die langfristigen Bodenveränderungen ermittelt. Die bundesweit 600 Boden-Dauer-Beobachtungsfläche dienen als Vergleichs- und Eichstandorte für den Bodenschutz für die nächsten Jahrzehnte.

Am Donnerstag, 22.05.2014 ab 10:00 Uhr baggerte Bio-Bauer Stefan Weiß auf seinem Acker zwischen Groß- und Klein Medewege eine Grube für ein Boden-Profil. Der Bodenkundler Frank Idler vom LUNG sprach dann gegen 12:00 Uhr dieses Bodenprofil an und erklärte es aus bodenkundlicher Sicht. Die Berliner Firma Dr. Christian Hoffmann Umweltconsulting fertigte ein sogenanntes Lack-Profil an. Dieses Lack-Profil wird auf einer öffentlichen Veranstaltung am 5.12.2014, dem Welt-Boden-Tag der Hofgemeinschaft übergeben und interessierten Menschen vorgestellt.

Dr. Burkhard Roloff, Ökolandbauexperte erläutert das BUND-Projekt „Bio-Boden mit Profil“: „Auch in Mecklenburg Vorpommern führt die industrielle Pflanzen- und Tierproduktion täglich und oft unbemerkt zur Verschlechterung der Böden. Die Folgen sind zunehmende Flächeninanspruchnahme sowie Erosion, Verdichtung, Verringerung der biologischen Vielfalt im Boden und Schadstoffeinträge. Wir wissen aber, durch 90 Jahre biologisch-dynamische
Landwirtschaft in Deutschland und zahlreiche Feldversuche weltweit, dass der ökologischen Landbau am besten nachhaltigen Bodenschutz verwirklichen kann Wir wollen darauf mit dem landesweit erstmalig auf einem Bio-Betrieb angelegten Bodenprofil hinweisen. Der Demeter-Hof Medewege arbeitet dieses Jahr bereits 20 Jahre biologisch-dynamisch. Durch die Anlage einer sogenannten Boden-Dauer-Beobachtungsfläche können die langfristigen
Veränderungen durch die ökologische Bewirtschaftung dieses Ackerstückes nachgewiesen werden.“
Frank Idler vom LUNG zur ersten Boden-Dauer-Beobachtungsfläche auf dem Bio-Hof Medewege: „In Mecklenburg-Vorpommern befinden sich landesweit derzeit 36 Boden-Dauer-Beobachtungsfläche (BDF), auf denen die Veränderungen der Böden systematisch erfasst werden sowie welche Einflüsse dazu beitragen. Auf Initiative des BUND wird in MV erstmalig eine BDF auf einer ökologisch bewirtschafteten Ackerfläche angelegt.“
Hintergrund: Auch in Mecklenburg Vorpommern führt die industrielle Pflanzen- und Tierproduktion täglich und oft unbemerkt zur Verschlechterung der Böden. Die Folgen sind zunehmende Flächeninanspruchnahme sowie Erosion, Verdichtung, Verringerung der biologischen Vielfalt im Boden und Schadstoffeinträge.
Der Demeter-Hof Medewege arbeitet dieses Jahr bereits 20 Jahre biologisch-dynamisch.
Der bereits 33 Jahre dauernde Schweizer DOK-Langzeitvergleich verschiedener Anbausysteme ergab in der Bio-Variante insgesamt höhere Humusgehalte, Aggregatstabilität, Wasserkapazität, Wassergehalte sowie eine verbesserte biologische Bodenqualität und eine 30% höhere Artenvielfalt. Auf dem fünfzehnjährigen Dauerversuch der Universität Gießen zu unterschiedlichen Betriebstypen im Ökolandbau ergab der ökologische Gemischtbetrieb die höchsten Humuswerte. Im viehlosen Bio-Betrieb mit Kleegras konnte noch Humusaufbau nachgewiesen werden, wobei es im viehlosen Ackerbau-Betrieb bereits nach 5 Jahren zur Humusreduzierung kam.

Rückfragen: Dr. Burkhard Roloff, BUND, Tel.: 0385 52133913 und 0176 25190600, Frank Idler, LUNG, Tel.:0384 3777421 und 0162 22349581