Berichte 4. Workshop, Juni 13, Naturgarten und wilde essbare Pflanzen, Slowenien

Das Projekt geht zu Ende und damit auch unsere Reisen. Unten zwei Berichte aus dem letzten Besuch in Slowenien:

Jana Kachel:

Vom 05.06. 2013 bis 09.06.2013 habe ich am Workshop: „natural garden and the role of individual“ in Slovenien teilgenommen. Ich bin sehr dankbar dafür, diese Zeit geschenkt bekommen zu haben. Mit Menschen aus verschiedenen Ländern konnte ich Erfahrungen über den Aufbau neuer Initiativen und Strukturen auszutauschen, die sich zum Ziel setzen, vielen Menschen den Kontakt zur Erde wieder zu ermöglichen und die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Lebensmittel wie Obst und Gemüse anzubauen. Ich bin beeindruckt, welche Lebensenergien solche Initiativen freisetzen.

Für die Umsetzung von mir begleiteter und angestrebter Projekte, war es gut zu erleben, dass so viele Menschen im Aufbruch sind zu einem lebenswerten, gesunden und naturverbundenem Leben. Menschen, die wieder Wert legen auf gesunde, naturnah erzeugte Lebensmittel, hier selbst angebautes Gemüse, aber auch den Wert von Wildpflanzen für eine gesunde Ernährung kennen und nutzen.

Die Reise hat auch noch mal bestätigt wie reich unsere natürliche Umgebung ist, wie viele essbare Wildpflanzen mit wertvollen Inhaltsstoffen (mit teilweise höheren Mineralstoff- und Vitamingehalten als in angebautem Gemüse) ohne Zutun der Menschen einfach wachsen und für alle, die sich in die Natur begeben, verfügbar sind. Die Natur in Slovenien fand ich besonders üppig, die Böden sehr fruchtbar. Es scheint einfach alles gut zu wachsen. Dieses Wissen über essbare Pflanzen aus der Natur wieder aufzufrischen und zu erweitern, um es dann auch weitergeben zu können, sehe ich als meine Aufgabe, die ich von der Reise mitnehme.

Die Exkursion hat mir sehr viel Kraft gegeben, meinen Ideen zu folgen, kleine Schritte zu wagen und Kindern die Möglichkeiten zu geben wieder mit der Natur aufzuwachsen und eine Wertschätzung gegenüber unseren Lebensmitteln durch die Verbindung mit der Erde zu ermöglichen.

Sehr spannend fand ich die bestehenden Gemeinschaftsgärten in Ig und Ljubljana und auch die Initiative, neue Gemeinschaftsgärten nach ökologischen Gesichtspunkten zu entwickeln. Sehr beeindruckend fand ich dabei die dicht aneinander liegenden Gartenparzellen, jeder m2 wurde zum Anbau von Gemüse genutzt, ohne jegliche Begrenzung zum Nachbarn. Das war neu für mich. Hier in Deutschland kennen wir Gärten zum Nachbarn mit einem hohen Zaun abgegrenzt. Auch ist mir in der Umgebung von Ljubljana aufgefallen, dass es überall an der Straße, in Vorgärten usw. kleine Gemüsegärten gibt. Viele davon waren auch nur 4-5 m2 groß, gerade groß genug für 10 Salatköpfe, eine Reihe Radieschen, eine Reihe Möhren, eine Reihe Zwiebeln und 5 Tomaten. Bemerkenswert fand ich auch die einfachen, provisorischen, selbstgebauten und kreativen Tomatenüberdachungen aus verschiedenen Materialien, wie z.B. Weiden, Stöcken, Ästen und Folien. Es muss nicht immer die teure Variante wie Zelt oder Gewächshaus sein.

Ein herzliches Dankeschön an die slovenischen Gastgeber, die ein tolles Programm zusammengestellt haben und durch ihre herzliche und ansprechende Gastfreundschaft das Gefühl einer starken Gemeinschaft, und trotz der kurzen Zeit ein Gefühl von Heimat und Geborgenheit vermittelt haben. Besonders beeindruckend war das reichhaltige „Gormama“ Picknick (Ökocaterer aus Ljubljana) in der Scheune einer slovenischen Familie. Dieser Ort hatte eine besondere Atmosphäre. Vielen Dank auch den Frauen, die die schönen Naturbastelarbeiten vorbereitet und begleitet haben und den Familien die uns in ihre Gärten zur Besichtigung eingeladen haben.

Christoph Siering:

Mittwoch, 5.06.2013
„Am besten man bleibt zu hause und schützt sich vor Erlebnissen.“ (Zitat aus dem Internet) -
Wir haben es nicht so gemacht. Wir sind losgefahren. Morgens in aller Herrgottsfrühe von Schwerin. Zwei begeisterte Kulturgärtnerinnen und ich – als Abordnung aus Deutschland.
15 Stunden reguläre Fahrtzeit bis Ljubljana, der Hauptstadt von Slowenien, an deren Rand der internationale Workshop stattfindet, als Erfahrungsaustausch und Inspiration von bestehenden und zu initiierenden (Gemeinschafts-) Gartenprojekten.
Eine lange Fahrt, die noch durch die Umgehung von Hochwassergebieten zwischen München und Salzburg um zweieinhalb Stunden verlängert wird. Was aber der Vorfreude auf interessante Tage in einem wenig bekannten Land und den angeregten Gesprächen unterwegs keinen Abbruch tut. Im Gegenteil, das Kennenlernen von spannenden Ideen und Projekten und untereinander beginnt mit dem Einsteigen in den Zug und endet erst Sonntagnacht mit der Rückkunft in Schwerin.
Dann, - endlich da: Ljubljana, eine großstädtische Kleinstadt, - oder umgekehrt? Noch ein kurzer nächtlicher Streifzug durch die Altstadt mit ihren Restaurants und Cafés an einem kleinen, trägen Flüsschen, der Ljubljanica. Die Nacht verbringen wir im Knast! - dem Hostel Celica, einem ehemaligen Gefängnis, stilecht renoviert mit Gittern an Fenstern und Türen und von Künstlern gestaltet und eingerichtet.

Donnerstag, 6.06.2013
Ein knapper Tag noch vor uns, vor dem offiziellen Programm. Genügend Zeit für Ljubljana City bei Tag. Beeindruckend der große Markt am Fuß des Schlossbergs. Dutzende, wenn nicht hunderte von Ständen mit allem, was man sich an frischen Sachen nur vorstellen kann: Obst, Gemüse, Pflanzen, Setzlinge, Blumen … - Eine Überfülle an allem. Aber, am wichtigsten: frische Kirschen!
Es sieht so aus, als ob es in Ljubljana keine Lebensmittelgeschäfte und Supermärkte gäbe. Hier geht jeder auf den Markt einkaufen. Und das an jedem Wochentag!
Für mich das Schönste: in einem Café zu sitzen und die Choreographie des Markttreibens zu beobachten, Schorle zu trinken und Kirschen zu essen.
Bevor der Bus nach Ig, unserem Tagungsort, fährt, noch ein schneller Gang durch die Subkultur eines ehemals besetzten Stadtteils: skurrile Graffiti, Skulpturen, schräge Cafés, - nichts, das nicht in abgefahren subversiver Weise gestaltet wäre – pralle Lebenskunst und –lust, wohin man blickt.
Das Workshopprogramm an diesem Abend ist nur kurz. Die meisten, der teilnehmenden Landesgruppen aus Ungarn, England und Irland sind erst kurz vorher angereist. Nach einer herzlichen Begrüßung durch die gastgebenden Slowenen und vielen Wiedersehensfreuden unter den Teilnehmenden, gibt Natascha, als Initiatorin des slowenischen Projekts einige Informationen zur „Mule Association“, die sie vertritt. Zu ihrer Arbeit gehören Projekte wie z. B. die Gemeinschaftsgärten in Ig und Ljubljana und ein Gartenprojekt als Resozialisierungsmaßnahme für weibliche Strafgefangene in Ig.
Die zweite Nacht verbringen wir nicht auf Gefängnispritschen, sondern komfortabel in Ferienappartements auf einem kleinen Bauernhof. Das Abendbrot, einen opulenten Salat in einem italienischen Restaurant, müssen wir uns jedoch erst durch eine ausgedehnte Wanderung zum nächsten Ort verdienen. Es geht durch eine kultivierte ehemalige Moorlandschaft, begleitet vom Abendläuten aus den umliegenden Dörfern und dem Singen der munter werdenden Zikaden.


Freitag, 7.06.2013
Der zweite Projekttag beginnt mit der Vorstellung der teilnehmenden Organisationen und ihren Gartenprojekten.
Mich begeistert die Freude und das Engagement, mit der die Initiativen in den verschiedenen Ländern ihre Projekte voranbringen:
- Todmorden, England, mit Gemüsegärten auf öffentlichen Flächen z. B. am Bahnhof und vor der Polizei! Einfache Kästen aus Holz, mit Erde befüllt und bepflanzt. Hier kann jeder mitarbeiten und vor allen Dingen miternten. Und das Ganze ist ohne großes bürokratisches Hickhack entstanden. Einfach durch die Initiative von begeisterten Menschen und einer Gemeinde, die das trägt!
- oder das Projekt in Irland, in dem die Arbeit in den Gärten auch soziale und therapeutische Ziele verfolgt.
Von der Theorie zur Praxis: das Mittagessen erwartet uns. Ein lukullisches Festmahl unter freiem Himmel. Zubereitet von einer vegetarischen Bio-Cateringfirma aus Ljubljana, die sich auf die Zubereitung von Gerichten zur Entgiftung spezialisiert hat. Hier habe ich den raffiniertesten und leckersten Salat meines Lebens gegessen! Die Mangoldröllchen waren ebenfalls umwerfend, mit Oliven und Kichererbsenmus(?). Ich hoffe ich bekomme die Rezepte noch!
Von hier aus starten wir zu einer botanischen Exkursion in ein romantisches Bachtal. Unser Exkursionsführer erzählt anekdotenreich und humorvoll viel Wissenswertes zu essbaren Wildpflanzen, wie z. B. dass
- die Hälfte unserer dreieinhalbtausend Wildpflanzen in Deutschland essbar oder für die Gesundheit nutzbar sind;
- Wildpflanzen ein Mehrfaches an Vitaminen, Nähr- und Vitalstoffen enthalten als kultivierte Pflanzen;
- Brennnessel und Giersch eine besondere Bedeutung als Wildgemüse und Heilpflanze zukommt;
- das Franzosenkraut (Knopfkraut) seinen Namen daher hat, weil es sich als Neophyt zeitgleich mit Napoleons Feldzug explosionsartig in Europa verbreitet hat;
- sich Schöllkrautsaft nicht nur zur Behandlung von Warzen verwenden lässt, sondern auch zur Linderung von Kopfschmerzen und Augenentzündungen.
Endpunkt unserer Wanderung ist eine Ausflugsgaststätte am Beginn eines Kerbtals, malerisch gelegen an einem Bach mit kristallklarem Wasser. Die Ufer wildromantisch bestanden mit exotischen Bergpflanzen, die ich aus der Mecklenburger Tiefebene nicht kenne.
Vor der Gaststätte erwartet uns neben einer Stärkung die Möglichkeit vorbereitete Stoffbeutel mit frisch gepflückten Krautpflanzen zu bedrucken. Nach der Informationsflut nun kreatives selber-tätig-werden. Die dekorierten Stoffbeutel werden mit getrockneten Wildblumen gefüllt und ergeben so original slowenische Duftsäckchen. Eine wunderschöne Idee! Unterstützt und angeleitet durch die freundlichen Frauen des slowenischen Projekts.
Der offizielle Teil des Programms endet mit aktionsreichen Kennenlern- und Kommunikationsspiele. Wer will fährt von hier zurück ins Quartier. Wir laufen. Diesmal auf der anderen Bachseite, immer erfreut ein aus Deutschland bekanntes Kraut auf dem Waldboden zu entdecken. Doch der Weg zieht sich. Die ausschweifenden Erläuterungen auf dem Hinweg haben uns gar nicht merken lassen, wie weit wir eigentlich gelaufen sind. Zu hause angekommen beschließen wir den Abend vor unserem Domizil bei frischem Holundertee und Gesprächen über guerilla gardening und guerilla yoga und Überlegungen zu keltischer Archäologie in Ungarn.

Samstag, 8.06.2013
Letzter Tag. Vor dem offiziellen Programm machen wir uns auf zu einer kleinen Bergwanderung. Der nahegelegene Krimberg, knapp über 1000 Meter hoch, wird noch vor dem Frühstück erklommen. Von oben der Blick bis zu den Alpen. Und im Tal weite Nebel-/ Wolkendecken, aus denen einige Kuppen der Bergkette herausragen. Nach einem Gipfelkaffee und einer Banane geht es zurück nach Ig zur Garten-Schnitzeljagd. In multinationalen Teams streifen wir durch Ig, um im fairen Wettstreit die meisten essbaren Pflanzen in Gärten und Freiflächen zu entdecken und möglichst viele Fragen zu den angetroffenen Gärten zu beantworten. Nebenbei erfahren wir einiges zu Geschichte, Gartenkultur und der Tradition der Gemeinschaftsgärten in Ig. Zu einer Auswertung unserer Ergebnisse und einer Siegerehrung kommt es leider nicht ?
Nach dem Mittagessen folgt die Evaluation des mit diesem Workshop zu Ende gehenden Projekts. Anschließend fahren wir noch einmal nach Ljubljana. Zwei Gemeinschaftsgärten stehen auf dem Programm. Mich fasziniert, wie jede Parzelle ihren ganz eigenen Charakter hat durch das, was angebaut wird, wie gut gepflegt die Beete sind, ob es Sitzgelegenheiten gibt, oder Beetbegrenzungen, oder kleine Unterstände für Werkzeug, ob auf Stöcken Vögelverscheuchungsapparaturen rattern, ob mehr Blumen oder nur Gemüse und Obst wächst, … - keine Parzelle gleicht der nächsten. Und das alles auf engem Raum am Rand der Großstadt. Eine neue alte Gartenkultur.
Auf dem zweiten Gemeinschaftsgarten verewigt sich jede Landesgruppe mit einem eigenen Beet. Wir säen Janas Blumenmischung. Anschließend wird noch gemeinschaftlich ein Apfelbaum gepflanzt. Ein aufziehendes Gewitter treibt uns dann schnell in die Autos. Das Abendessen und ein nächtlicher Bummel durch Ljubljana beenden den Tag.

Sonntag, 9.06.2013
Die Schäden des Hochwassers behindern auch unsere Rückreise. Auf Umwegen und die letzte Strecke ab Hamburg mit dem Taxi nehmend erreichen wir spät in der Nacht Schwerin – erfüllt von vielen schönen Erlebnissen, Begegnungen, Gesprächen.
Ich habe interessante und besondere Menschen kennengelernt, von spannenden Ideen und Projekten gehört und viel über Gärten und das Gärtnern erfahren und dem vielfältigen Nutzen, den vor allen Dingen das gemeinschaftliche Gärtnern besitzt. Und darüber hinaus hatte ich die Gelegenheit, ein mir bisher relativ unbekanntes aber wunderschönes Land zu erkunden. Ich werde auf jeden Fall wiederkommen!

Als Resümee konnte ich aus den vielen inspirierenden Begegnungen und Gesprächen für mich mitnehmen:
Gärten sind notwendig ?!
Sie,
- dienen der Erzeugung gesunder Lebensmittel;
- bieten sinnvolle und sinngebende Beschäftigung;
- lassen sich nutzen für soziale, therapeutische und Resozialisierungsprojekte;
- fördern die Verbundenheit mit der Region und überhaupt mit der Erde;
- sind ein idealer Lernort für alle Altersgruppen;
- wirken positiv auf Lebensfreude, -qualität und –einstellung;
- fördern Gemeinschaft, Kommunikation und ein soziales Netz;
- erfreuen die Sinne durch leckeres Essen, Schönheit und die Möglichkeit kreativ gestaltend tätig zu werden.

Zum Schluss noch ein Dank an die unermüdlichen Frauen des slowenischen Projekts und besonders an Natascha und Sascha für die gelungene, abwechslungs- und inhaltsreiche Gestaltung des Workshops und die gute Organisation. Und natürlich für die herzliche, liebevolle Art mit der sie uns begleitet haben.

Berichte 3. Workshop, Mai ´13, therapeutische Gärten um Cork, Irland

Auf der dritten Reise haben wir uns in Irland verschiedene Gartenprojekte angekuckt, die sozial-gemeinschaftliche, arbeitstherapeutische und/oder lehrende Zwecke erfüllen.
Unten die Eindrücke von zwei Teilnehmerinnen:

Katharina Bergmann-Weu:

Vom 08. bis zum 11. Mai 2013 war ich im Rahmen des Grundvig-Projektes in Irland. Wir bereisten verschiedene Orte in der Nähe von Cork. Bemerkenswert finde ich die Fülle der laufenden Aktionen zum Thema gärtnerische Selbstversorgung, wobei die Größe und der Schwerpunkt ganz unterschiedlich gesetzt sind. Da gibt es den Treffpunkt mitten im Siedlungsgebiet, bei dem das soziale Miteinander im Mittelpunkt steht, neben dem schon größeren professionell organisierten Bürgergarten in dem jeder sein Beet/Beete hat und einen deutlichen Teil zur Familienversorgung beiträgt. Am beeindruckendsten fand ich die ehemalige Schule die nun wieder Lehrzwecken dient, allerdings nun für ökologischen Pflanzenbau. Hier konnten wir Folientunnel bestaunen, die ganzjährig (Problem Fruchtfolge gelöst!) und kostendeckend! bewirtschaftet werden. Die Tonnen mit den Pflanzenbrühen gaben Auskunftdarüber, wie Nährstoffversorgung und Gesunderhaltung der Pflanzen gewährleistet werden und die Komposthaufen, von denen einige mit einem Schild "geschlossen" versehen waren, tun ein übriges. Überhaupt war dies der Garten von Art und Größe, der meinen Ideen von unserem entstehenden Schweriner Kulturgarten am nächsten kommt, diese Verknüpfung von Bewährtem mit dem Versuch Neues zu probieren, ohne zu riskieren, ganz ohne Ertrag dazustehen, hat mir sehr gefallen.
Und auch die therapeutische Wirkung des Gartens/der Gartenarbeit wird in unterschiedlicher Weise genutzt. Da gibt es das Folienzelt, dem Institut angegliedert, in dem wöchentlich Behinderte das Werden und Wachsen bestaunen und fördern. Andersrum gibt es auch den Garten, der dem Pflegeheim angegliedert ist und der täglichen Beschäftigung und Versorgung dient.
Und hinter all dem stehen Menschen, die mit Engagement und Kreativität die Organisation bewältigen, die durch Arbeitsteilung und Hand-in-Hand Arbeit entsprechend ihrer persönlichen Befähigung und beruflichen Stellung zum großen Ganzen beitragen.

Sunny (Ina-Kristin) Lehnert:

Mecklenburg goes Ireland – From Community garden until Green Care
Im Januar habe ich durch einen Kollegen bei den ZNLern (zertifizierte Natur- und Landschaftsführern) von der Idee eines Gemeinschaftsgartenprojektes mit den Medewegern erfahren. Und bereits beim ersten Zusammentreffen wurden meine Erwartungen übertroffen. Nach der Gründung unseres Vereins "Kulturgarten - Schwerin wächst zusammen" bekam ich die Chance, mit Katharina und Alenka im Rahmen des Grundvig-Projektes nach Irland zufahren.
Die Eindrücke sind reichlich, vielfältig und inspirierend. Irland steht für mich nach einer knappen Woche für wildes Grün, warmherzige Menschen und Regen, Regen, hatte ich Regen schon erwähnt?
Ich kann nur kurz wiedergeben, was mich am meisten beeindruckt hat, da jedes einzelne Projekt so vielschichtig ist.
Das Miteinander über Jahre bei den Projekten ist sehr motivierend. Im Shanakill/Rahoonane Community Organic Garden stehen die Türen für jeden offen. Eine Gärtnerin ist zweimal die Woche vor Ort und wenn jemand kommt, leitet sie an, beantwortet Fragen oder hört zu beim gemeinsamen „gärtnern“. Und öfter isst man zusammen die Früchte der Arbeit. „Leute so einen Pizzaofen brauchen wir auch!“
Mein Hauptbeweggrund für das Kulturgartenprojekt in Schwerin ist die Begegnung in einer positiven Atmosphäre, um dem Alltag zu entfliehen. Dass dies auf so spannende Weise möglich ist, beweist jedes irische Projekt. Durch die Arbeit im Garten kann ich mit einfachen Mittel aktiv an der Luft sein und habe als Belohnung unser selbstgezogenes organisches Essen.
Dass sich Menschen mit den gleichen Ideen, Werten und Zielen finden, etwas anfangen und ein nachhaltiges Gartenprojekt schaffen, hat mich bei den vom IRD Duhallow unterstützten Projekten fasziniert. Obwohl sich diese von unserem unterscheiden, da die Mitglieder im eigenen Garten und Gemeinschaftsgelände tätig sind. Auf unserem Ausflug wurde uns jeder Winkel des irischen Gartens gezeigt, auch die Tricks des Hofhundes durften nicht fehlen. Der Australian Shepherd bringt seinem Besitzer jeden Abend die Guinessbierdose und nicht die Kilkenny.
Jeden Tag unserer Reise wurden wir mit den schmackhaften Produkten der Gärten verwöhnt. Ich kann nicht sagen, wo es mir am besten geschmeckt hat. Ob es in der Küche des Organic College der Kartoffelsalat mit Bärlauchpesto oder doch mehr die Pastry von Eleanor Leahy von Nibbles Food im Millstreet Country Park war, weiß ich bis heute nicht. Am nachhaltigsten wird mir der „Raw Food Workshop“ der Ungarischen Gruppe um Agnes Repka in Erinnerung bleiben. Hier kam Alles zusammen: Impressionen – Erfahrungswerte – Verwertbares!
Das ist etwas was ich mir für unseren Kulturgarten wünsche:

  • Generationsübergreifendes Zusammenwirken – jeder lernt und lehrt jeden etwas.
  • Die Vernetzung von Wissen und Kompetenzen / zusammen wachsen zu einer Gemeinschaft in einer Zeit der Entfremdung.
  • Unser Garten als Ort der Heilung durch schaffen positiver Aufgaben und die Rücknahme diese Energie durch unser gesundes Gemüse, Kräuter …

Zitat von Katharina:
„Gemeinsam schaffen wir, was wir alleine nie vermögen.“ Kulturgarten – Schwerin wächst zusammen.

Berichte 2. Workshop, Sept.12, Gemeinschaftsgärten in Todmorden, England

In September haben sich 3 Teilnehmern aus Schwerin das Projekt "Incredible Edible" in Todmorden, England angekuckt. Alle drei kamen sehr begeistert nach Hause mit Überlegungen, in Schwerin etwas ähniches anzukurbeln. (Hier gibt es einen schönen Bericht darüber auf Deutsch zu lesen!) Und im Folgenden die ersten Eindrücke:

Martin Steinitz:

In dieser grünen Stadt habe ich viele interessante Menschen getroffen. Die Gemeinsamkeit und sehr engagierte ehrenamtliche Arbeit haben mich beeindruckt. Die Umsetzung und Gestaltung des Projektes, dass und wie jetzt überall in der Stadt Gemüse, Obst oder Kräuter wachsen, ist ein tolles Beispiel und hat beigetragen, dass ich in Schwerin zur Gründung des gemeinnützigen Projekts beigetragen habe. (heute: Kulturgarten "Schwerin wächst zusammen") (Kulturgarten bei facebook)

Katharina Bergmann-Weu:

"Incredible Edible Todmorden - die unglaublich essbare Stadt Todmorden hat mich sehr beeindruckt. Auf allen möglichen Flächen - vom Beet vor dem Krankenhaus über Flächen vor Schule und Feuerwehr bis hin zu Kübeln in der Fußgängerzone - werden in Todmorden Gemüse, Kräuter und Obst zur Verwendung für jeden der ernten mag angeboten.
Die Möglichkeit sich anzuschauen was dort geschaffen wurde zusammen mit (fast) ständiger Gelegenheit zum Austausch wie was in Schwerin und Umgebung umgesetzt werden könnte hat mich so begeistert, daß ich in den Tagen nach der Reise jedem davon berichten mußte. Die Idee hat mehrheitlich positive Resonanz hervorgerufen. Es sind bereits einige Bestrebungen in dieser Hinsicht im Gange und wir möchten jetzt inspiriert von den angeschauten Projekten die verschiedenen Aktionen kanalisieren."

Joschko Wehmann:

"Das Projekt "Incredible Edible - Unglaublich essbar" soll ein Anstoß sein um die lokale Wirtschaft wieder zu beleben und wieder ein Bewusstsein für natürliches Denken zu schaffen.

Todmorden ist eine kleine Stadt in der Mitte von Großbritannien, die jedoch auf eine fast tausendjährige Geschichte zurückblickt. Sie liegt an einem schmalen Kanal, der die Städte Manchester und Halifax, Bradford und Leeds verbindet und auf dem früher schmale Lastkähne mit Pferden gezogen wurden. Allerdings verlor die Stadt seit dem Niedergang der lokalen Tuchindustrie an Bedeutung, was dazu geführt hat, dass sie heutzutage vor allem als Pendlerwohnort für die umliegenden Großstädte dient. Die alten Lastkähne wurden als Hausboote ausgebaut, und es zeugen nur noch einige alte verwitterte Prunkbauten von einer prachtvollen früheren Zeit.
 
Eine sehr wichtige Rolle spielt dabei die Honigbiene, es wurden viele Blumen für die Bienen gepflanzt und zahlreiche Tafeln machen den Besuchern der "Green-Route" anschaulich, wie Bienen leben. Die "Green-Route" ist ein Rundweg durch die Stadt, der mit Informationstafeln und von verschiedenen Nutzpflanzen gesäumt ist.

Es gibt auch eine "Pollinationstreet" die durch einen neu angelegten Park neben der Markthalle führt, wo jeder Bewohner von Todmorden seine Pflanze dazupflanzen kann und wo von Spalierobst über Blumen- und Gewürzstauden bis hin zu Gemüsepflanzen alles nebeneinander steht und den Menschen in Erinnerung ruft, dass es möglich ist, lokale Nahrungsmittelproduktion mit Spaß und Ästhetik zu verbinden.

Ein Bienenkasten steht auch schon an der "Pollinationstreet", das einzige was noch fehlt ist das Bienenvolk. Wenn man durch den Eingang des Kastens schaut, sieht man nur eine aufgemalte Biene.
Es gibt noch viel zu lernen in Todmorden, schließlich fangen die Menschen dort erst seit 5 Jahren wieder an, das verloren gegangene Garten-Wissen neu zu erlernen, aber es ist eine Begeisterung spürbar und eine Wertschätzung für die Früchte der Erde, die nicht nur die Menschen in Todmorden, sondern Menschen überall auf der Welt teilen und dabei entstehen völlig neue Herangehensweisen und Lösungswege für ökologische wie für gesellschaftliche Probleme der Gegenwart.

So z.B. der Kräutergarten, der von den "Volunteers" mit Unterstützung von Geldmitteln, die lokal agierende Unternehmen für das Projekt gespendet haben, neben dem Krankenhaus angelegt wurde und der umgeben ist von zahlreichen Obstbäumen und Beerensträuchern (die übrigens auch sehr unterstützend wirken bei der Entgiftung des Körpers).
Das erstaunliche dabei ist, die Bevölkerung respektiert das System des "Selbsterntens": Man nimmt nur so viel wie benötigt.
"Wenn man eine brachliegende Grassfläche nimmt, die vorher nur für Abfall und als Hundeklo verwendet wurde und sie in einen Ort voller Kräuter und Früchte verwandelt, dann wird das nicht zerstört. Ich denke, wir sind darauf eingestellt, Lebensmittel nicht zu beschädigen" sagt Pam Warhurst, um die Bedenken auszuräumen, ein Angebot an kostenlosen Früchten und Gemüsen würde zu Missbrauch führen.
Sie betont sogar, genau das Gegenteil sei passiert: Das "Incredible Edible" Programm hat die Beziehung in der Gemeischaft verbessert und die Kriminalität reduziert. Die Polizei hätte ihr berichtet, seit Einführung des Programms wäre die Kriminalität erheblich gesunken. Die Bewohner zeigen mehr Verantwortung und kümmern sich um ihre Stadt.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass die Eindrücke, die ich in Todmorden gesammelt habe, nicht nur positiv waren. Es ist eine Kleinstadt ohne Perspektiven für junge Menschen, die sich mit Drogen voll pumpen und die scheinbar nichts anderes im Sinn haben als unbewussten Sex und Party, allerdings hat das Projekt "Incredible Edible" dazu geführt, dass diese kleine unbedeutende Kleinstadt ein neues Selbstbewusstsein entwickelt, dass die Menschen Stolz darauf sein können, dort zu leben. Und wenn das Projekt sich weiter entwickelt und professioneller wird, dann können in Zukunft die jungen Menschen aus Todmorden hochwertige Lebensmittel für die umliegenden Großstädte produzieren und haben eine Perspektive."

1. Workshop, Juni ´12, "Gemüseanbau als ein Teil vom Öko-Dorf - Biodiversität", hier!

3 Tage bei uns auf dem Hof standen unter dem Thema: „Farm garden and eco-village biodiversity“.
Das Seminar war nach den Berichten von den 21 Teilnehmern aus 4 Ländern (Slowenien, Ungarn, Irland und Großbritannien) ein sehr inspirierendes und wichtiges Erlebnis. (Unter der Galerie gibt´s einge Teilnehmerstimmen.)
Viele von ihnen waren noch nie in einem „Öko-Dorf“ gewesen, insbesondere hat viele die herzliche Gesprächsbereitschaft der Hofgemeinschaft beeindruckt.
Die „deutschen Tage“ haben die Teilnehmer zusammen mit uns Medewegern ausklingen lassen bei einem gemeinsamen Kochen und Schmausen im Hofcafe.
Auch viele Medeweger waren in den Tagen dabei und haben das Miteinander genossen. Wir möchten uns bei allen herzlich bedanken!

Alenka und Mette

Ana Licina, Slovenien:

Mein Besuch vom Hof Medewege hat mich tief beeindruckt. Am meisten war ich überrascht, als ich statt eines idyllischen Dörfchens mit Holzhäusern irgendwo in der unberührten Natur große „industrielle“ Gebäude in Stadtnähe sah. Aber das ist es genau! Man braucht nicht ans Ende der Welt zu gehen, um sich nach eigenen Wünschen und Vorstellungen etwas zu erschaffen. Es kann reichen, was schon da ist und es ist gleichzeitig auch eine Herausforderung, das „Alte“ zu nehmen um eine neue Wirklichkeit zu gestalten: ein tolles Café mit Bistro, die Bäckerei mit Bioleckereien, Waldorfkindergarten, Filzatelier, „die Zen-Ecke“ im Rosengarten, Gemüsefelder, Tipi-Zelt, Mehrgenerationswohnen, das Miteinander mit den Tieren.
Medewege ist ein tolles Beispiel von guter Organisation und willensstarker Vision. Ich hoffe, diese gelungene Entwicklung wird viele Leute inspirieren: dass es möglich ist, wo wir gerade sind mit kleinen, aber mutigen Schritten eine bessere und humane Welt zu kreieren.
Ich merke bei mir, dass ich noch mehr Mut gefasst habe. So viele Menschen zu treffen, die unsere Natur erhalten und schützen möchten, hat mich inspiriert. Wir sollen aufhören zu jammern, zu kritisieren und lieber etwas bewegen und das so, dass wir bei uns selbst anfangen.
Es waren auch spannende Teilnehmer dabei, die mich echt beeindruckt haben wie z.B. die Winzerin Ana aus Ungarn oder die Filzerin Martina aus Medewege. Ihre Arbeit und ihre Produkte strahlen Ruhe aus und wir haben eine wunderschöne Zeit in ihrer Werkstatt verbracht.

Katie Crowley , IRD Duhallow, Irland:

“The Group enjoyed their trip to Germany, visiting a biodynamic farm was a first for all five of us. Dan Joe, Josephine and Theresa really enjoyed the trip and learned about the workings of a biodynamic farm. As Dan Joe explained “we really enjoyed our trip, I thought the farm was amazing, and really learned a lot. Theresa: “I really enjoyed looking at the hens and believed this is something we could develop in Ireland.” Josephine visited the bakery and thought it was an unbelievable experience, we have something similar in out village with DCFS (Duhallow Community Food Services) but there are certain practices which we could transfer to Ireland to improve our facilities and some of our ideas may be useful to ye, when you come to Ireland you must visit DCFS to experience our bakery and the similarities.”

Urska Strukelj, Slowenien:

Ich denke oft an unseren Besuch auf dem Hof Medewege. Wie die Leute da gewirkt haben, an die da herrschend Energie und Atmosphäre, die Art von Leben da. Das ist das Wesentliche, was diesen Ort ausmacht – die Beziehungen zwischen den Menschen.
Das ganze Seminar war für mich eine neue Erfahrung, ich habe meinen Blick erweitert. Auch das Biohotel oder die urbanen Gärten in Berlin waren eine Inspiration.

Ich habe neue Visionen, wie wir unsere Gemeinschaft, wo wir wohnen, umgestalten und die Einwohner einbeziehen. Wir haben schon unseren Bürgermeister besucht : )
Ich fand die Leute aus Irland spannend und bin neugierieg, wie die therapeutische Gärten dort funktionieren.

Sasa Draksler, Slowenien:

Mich hat am meisten beeindruckt, dass so eine Gemeinschaft überhaupt möglich ist. Dass sich die Leute die ähnliche Werte und Ziele teilen, dass sie in Gemeinschaft wohnen, die wirklich lebt, lebendig ist und sich noch erweitert.
Der Besuch in Deutschland hat mich in meinen Projekten zu Hause gestärkt – Nachbarschaften als Architekt zu projektieren im Sinne von „ökologisch nachhaltig und sozial engagiert zusammen wohnen und leben“.

Die beide Bauern mit der durchdachten Ökonomie und reichen Vielfalt haben mich beeindruckt. Auch den erfolgreichen Bäcker fand ich spannend. Mein Eindruck war, dass alles da fließt und dass er sehr unkompliziert mit der Sache umgeht.
Ich habe Gleichgesinnte gefunden. Insbesondere war die Kommunikation sehr einfach und interessant mit den ungarischen Teilnehmern, weil so viele Ähnlichkeiten gefunden wurden.

Majda Kocar, Slowenien:

Ich habe bei mir gemerkt, dass es an der Zeit ist, damit aufzuhören, weiter konventionelles Gemüse und Obst in den großen Supermärkten zu kaufen.

Mich hat sehr der Herr John aus Großbritannien beeindruckt, wie er über sein Leben mit der Natur erzählt hat. Erst habe ich nichts Besonderes bemerkt und dann habe ich seine ausgearbeitete Hände gesehen. Ich habe viel von ihm gelernt, wie die Mechsenseele mit der Natur verbunden ist.

Natasa Bucar Draksler, MULE, Slowenien:

Ich bin selbstbewuster nach Hause gekommen. Alles ist möglich, wenn man bei seinen Bemühungen durchhält!

Es herrschte ein sehr angenehmer Geist in der slowenische Gruppe, die sehr harmonisch, offen und neugierig war. Ich kann mich auf sie verlassen, wenn wir in Slowenien weiter machen werden!

Judith Feid aus Ungarn, (translated by Agnes Repka):

"The Medewege Hof is an integral part of the city's economic and cultural life. The people living here live a natural, relaxed, not at all closed, but open and full of life.
During the three days we could look into the life and activities of the eco-village, we had different workshops and everyone could tell his/her insights and ideas. It was inspiring to be with people who are like-minded, but see different aspects of the practical implementation of the tasks and problems.  
We came home with the feeling - "But it would be nice if there would be such in Hungary!" And we'll be on it."