Gemeinschaft und Gemeinsamkeit:

Oft wird gefragt nach unserer Gemeinschaft, nach Idee und Inhalt, Form und Struktur. Die sind gewachsen in 20 Jahren, lassen teils nur geschichtlich sich greifen. Beschreiben kann man sie so:

Am Anfang war hier die Waldorfinitiative mit ihrer Idee einer Pädagogik in nahestem Zusammenhang zu Landwirtschaft und Werkstätten, mit dem Ziel einer "Intergration beruflicher Ausbildung".
Alle anderen kamen als "Zweite" dazu, als Gürtel drumherum. "Waldörflichkeit" und Naturnähe, Demeter und "Bio", Praxisbezug und Kunsthandwerklichkeit waren und sind selbstverständlicher Hintergrund, starke Gemeinsamkeit.
- Nicht Vordergrund und Thema. Sind sozusagen gegessen, verdaut, angeeignet - in unterschiedlichem Maß.Gemeinsamkeit

So sind wir zu allererst eine Runde von Betrieblern. Ein Ring von selbständigen Betrieben je nach außen orientiert, Schulter an Schulter, in Gemeinsamkeit. Als informelle Runde betreiben wir gemeinsam Öffentlichkeitsarbeit. Gemeinschaft entsteht aus gut abgestimmter Nachbarschaft, eher selten, sehr selten ganz rund herum den ganzen Kreis erfassend.

GemeinschaftDann treffen wir uns als Bewohner. Familiennähe und Gartenleben schaffen wechselnde Gemeinschaftlichkeiten. Einig, dass sehr es zu wohnen hier lohnt, regeln wir gemeinsam alle Belange der "Haus- und Hofgemeinschaft", "Häus- und Höflichkeiten": - Wer aufgenommen wird z.B., aber auch Putzpläne und gemeinsame Arbeitseinsätze.

Einst fast "wir alle", haben einige aus der Wohnerschaft sich zusammengetan.
Als GbR zunächst, dann in Form der Hof-Medewege OHG sind wir rechtsfähig geworden: Um unsere Basis zu schützen und zu besitzen. Gemeinsam stemmen wir Schulden, die einzeln sich keiner zugetraut. Als Eigentümer sichern wir Langfristigkeit. Sind starker Verhandlungpartner nach Außen. Schützen so Ring und gemeinsame Mitte vor Folgen individueller Nöte, vor Veräußerung und Vererbung an Fremde.

Mit Freunden von außerhalb taten wir uns zusammen zum Kulturverein e.V. - ermöglichen so Gespräch zu Ideen und sozialen Impulsen, Förderung allen gemeinnützigen Belangen, Trägerschaft für Feste und Veranstaltungen.

Je einmal im Monat treffen wir uns zum Medeabend - als Betriebler, im Kulturverein, als Wohner und OHG. Sonst nach Bedarf. So selten wie nötig.
Die Mitte ist immer frei. Hineintreten mag, wer für die oder von der Gemeinschaft was will, mit Vorschlägen, Anregungen oder Einladungen. Dann findet sich eine Antwort oder auch nicht. Und gleich tritt wer wieder hinaus und frei ist die Mitte wieder. (Manchem ist´s manchmal zu dünn mit Gemeinschaft, drum.)
Viel haben wir gewonnen durch "Gemeinschaft und Gemeinsamkeit", eine Schrift von Dieter Brüll. Daraus stammen die Zeichnungen hier.

Und nochmal anders zur Struktur unseres Anfangs:

Alle kamen als zweite eigentlich, gruppierten sich um die Waldorfschulmitte herum, gesellten sich außen zu den schon Anwesenden, als Nichtpädagogen selbstverständlich orientiert nach außen.
Voll Vertrauen in die unabhängige Mitte. Die war Rückendeckung und Garant guter Fahrtrichtung für das Gesamte, Befreiung zum eigenen Außentun.
Diese Mitte fiel weg, die Schule musste woanders eine Bleibe sich suchen. Ein Leid für sie und Opfer für die Freiheit in unserer Mitte! Dass geschah über Jahre verteilt, drum relativ schmerzfrei.
Mühsam haben wir uns dazu durchgerungen, die Mitte selbst zu verantworten, zu füllen. Als Schwäche fiel das nur deshalb kaum auf, weil so lange auch die offene Eigentumsfrage uns einen Dornröschenschlaf gewährte. (Siehe Chronik)
Die Freiheit von jeglichem Gruppenzwang erscheint heute vielen Betrachtern als Stärke: Der Ring mit viel freier Luft in der Mitte ist selten.
Es ist auch nach innen Stärke, insofern wir wenig Aufwand mit unsrer Mitte treiben, nicht ständig in unendlichen Plenumsabenden uns erschöpfen müssen. Normalerweise vereinbaren alle "Umkreisler" alles direkt miteinander, klare Eigentums-gleiche Verantwortlichkeiten für jede Fläche, jedes Gerät und jedes Gebäude garantieren das, schaffen hohe Effizienz.
Es wird selten wieder neu als Schwäche erlebbar: bei der gewachsenen Fülle unseres Hofes haben wir zunehmend gemeinsame Prozesse zu bewältigen, fremd ist uns immer noch oft der Blick nach innen.

Da sind Werkzeuge gefragt für gesundes, zügiges Entscheiden. So haben wir manchmal ein Mittelwertverfahren genutzt, auf dieser Suche mit Sucha das Forum des ZEGG als Form kennengelernt, wir haben Fragen mit systemischem Konsensieren bearbeitet.

Peter Zimmer, 2012/10

Gemeinschaften und Gemeinsamkeit