Idee und Inhalt...

...auch danach werden wir öfter gefragt, zum Beispiel so:
"Seid ihr eigentlich eine anthroposophische Gemeinschaft?"

Wir haben uns nicht nach einer Idee gegründet und jetzt noch keine Mede-Statuten.
Auch hier gilt, dass die Geschichte viel erklärt:
"Am Anfang war hier die Waldorfinitiative mit ihrer Idee einer Pädagogik in nahestem Zusammenhang zu Landwirtschaft und Werkstätten, mit "Intergration beruflicher Ausbildung". Alle weiteren kamen als "Zweite" dazu, als Gürtel. "Waldörflichkeit" und Naturnähe, Demeter und "Bio", Praxisbezug und Kunsthandwerklichkeit waren und sind selbstverständlicher Hintergrund, starke Gemeinsamkeit. - Nicht Vordergrund noch Thema. Sind sozusagen gegessen, verdaut, angeeignet - in unterschiedlichem Maß."
Alle suchten wohl Verbundenheit in einem größeren Ganzen, sonst wären sie nicht hergekommen. Also etwas Alternatives. Alle brachten Bereitschaft mit, neben einer Hauptsache ihr eigenes Ding ins Rund zu stellen. Und da diese vorerst nur eine Idee war, keinerlei Anlehnmöglichkeiten bot, mußte eines jeden Eigenes selbständig bestehen in der Außenwelt.

Von Anfang an gab es viel Offenheit für die Welt "da draußen", Autarkismus war nie unser Ding. Ein Projekt "Schule" kann ja nicht gut Insel sein und wer sich danebenstellt, kommt selbstverständlich mit viel Bereitschaft, sich anzupassen, einzulassen. Neben einer Hauptsache in ihrem Sinne selbständig zu sein.

Kamen Neue mit Aufnahmewunsch, prüften wir sie zunächst ja fast stellvertretend für den gemeinsamen Hintergund. Gediegene Handwerklichkeit, starke Initiativkraft und Eigenständigkeit, fundierte Praxistauglichkeit - solche Eigenschaften erwarteten wir von Hinzukömmlingen. (Klar, unsere eigenen eben!) Und sehr die Bereitschaft, sich einzufügen ins Rund. Niemals fühlten wir uns als Gemeinschaft im Sinne einer Kommune mit Nestangebot für Ersatzfamilien-Suchende.
Einige unserer Mitstreiter kommen aus der reinen Bio-ecke, ohne Bezug zur Anthroposophie, andere kommen mit regional-religiöser, also evangelisch-alternativer Motivationslage dazu.
Manchmal fragten wir selbst nach Kriterien für "Neue". Da gab es nie eine dingliche Antwort - wir selbst nur konnten die Antwort sein: Wer uns passte, passte ins Rund, konnte es stärken, kein "Etwas" zählt, nichts anderes gilt.

Bald wurde das "bunte Rund" selber unser Ziel, je unwahrscheinlicher die Waldorfschule als Mitte wurde. Im Flyer von ´99/2000 gab es sogar einen Platzhalter:
"Fleischerei, Käserei, Gerberei, Brauerei, Töpferei, Gastronomie, Galerie... ? Hier könnte auch Ihre Initiative auftauchen! Wir haben und bieten viel freien Platz für jede Initiative, die Schön & Gut Medewege harmonisch vielfältiger macht."
Harmonische Vielfalt, wiederum nicht als autarkes Dorf, sondern schöner Sinn von Zusammenleben.

Das scheint auch Heute am meisten anzusprechen, viele fragen nach Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten hier. Und oft klingt genau dies als Motivation: sich darinnen fühlen zu können in einem schönen, harmonisch vielfältigen Rund. (Und zwar in großer Freiheit, ohne jeden Gruppenzwang.) Idyllien? Auch, bestimmt. Ein überschaubares Abbild der runden Welt. Mit ganzer Zugehörigkeit für jeden, ohne städtische Anonymität. (Mit allen Möglichkeiten der Stadt dicht dabei!)

Peter Zimmer, 10/2012