Vor- und Frühgeschichte

-  Für eine Diplomarbeit an der Uni Kassel sammelten Thomas Goebel und Eckard Grundmann 2001 viele Daten zum Thema. Hier gibt es einen Auszug daraus, alle Erwähnungen Medeweges sind fett gesetzt:

... 6.2 Die Geschichte der mecklenburgischen Landschaft im Zusammenhang mit der gesellschaftlichen Entwicklung
   Entsprechend dem Gesamtrahmen der Diplomarbeit soll hier keine bis ins kleinste differenzierte Geschichtsabhandlung vorgenommen werden, sondern es geht darum zu zeigen, wie die geschichtlichen Ereignisse Bedingungen für die heutige Gestalt der Landschaft sind. Da jedoch für die Landschaft auch die in ihr lebenden Menschen eine große Bedeutung haben, werden wichtige Ereignisse der mecklenburgischen Geschichte eingebunden, auch wenn sie keinen unmittelbaren Bezug zur Landschaftsgestaltung haben.


Ur- und Frühgeschichte
   Nachdem die Gletscher der letzten Eiszeit abgeschmolzen waren, kamen wahrscheinlich bereits vor 16.000 Jahren die ersten Rentierjäger in den Mecklenburger Raum. Sie fanden eine Kaltsteppenlandschaft vor, die aus einer dichten Grasschicht und vereinzelten niedrigen Sträuchern bestand. Mit der deutlichen Erwärmung in der Mittelsteinzeit (8.000 v. Chr.) erfolgte eine Besiedelung durch Jäger und Sammler, die nicht sesshaft waren. Die Vegetation setzte sich vorwiegend aus Birken- und Kiefernwäldern zusammen. Später kam unter anderem die Haselnuss dazu, die sich sehr schnell ausbreitete, so dass bereits hier der Einfluss des Menschen auf die Vegetation nicht ausgeschlossen wird. (KARGE et al. 2000, KÜSTER 1999).
   Bedeutsam für die Entwicklung der Menschheit war der Übergang in die Jungsteinzeit (Neolithikum, im bearbeiteten Gebiet ca. 3.000 v. Chr.) durch die Einführung des Ackerbaus. Damit konnte eine viel größere Zahl von Menschen ernährt werden und es wurden feste Siedlungen angelegt. Zeugnisse dieser Zeit sind die Hünen- und Großsteingräber. Die Strukturen des Zusammenlebens erreichten das Niveau der Stammesbildung (KARGE et al. 2000). In Klein Medewege wurden ein Beil und Flintgeräte gefunden, die in die Steinzeit datiert wurden (STADTGESCHICHTSMUSEUM SCHWERIN). Die Wälder hatten sich bis dahin zu Mischbeständen aus Laub- und Nadelbäumen entwickelt, die sich je nach den regionalen Bedingungen in ihrer Zusammensetzung unterschieden. Die heute vorherrschende Rotbuche war jedoch bis dahin nicht vertreten. Da sie in bestehende Wälder nicht einzudringen vermochte, konnte sie sich erst ausbreiten, als der Mensch begann, seine Siedlungsplätze immer wieder zu wechseln und dabei offenes Land zu hinterlassen (KÜSTER 1999).
   Die Bronzezeit (2.000-600 v. Chr.) muss in Mecklenburg durch starken Tauschhandel geprägt gewesen sein, da die entsprechenden Rohstoffe nicht vorhanden waren. In dieser Zeit differenzierten sich die sozialen Schichten. Davon zeugt u.a. das Königsgrab in der nahen Prignitz (KARGE et al. 2000).
   In der Eisenzeit (600 v.Chr.-500 n.Chr.) bildeten sich die germanischen Stämme heraus. Die Entwicklung wurde maßgeblich durch die Kontakte mit dem römischen Reich beeinflusst, die allerdings oft kriegerisch waren. Aus römischen Aufzeichnungen stammen auch die ersten überlieferten Namen einzelner Stämme
: Langobarden, Warnen und Semnonen. Grundlage der Eisengewinnung war die Verhüttung von Raseneisenstein, der im Mecklenburger Raum vorhanden war (KARGE et al. 2000). Die Möglichkeit, Geräte aus Eisen einzusetzen, brachte einen großen Aufschwung für die Landwirtschaft, da jetzt auch schwerere Böden bearbeitet werden konnten. In dieser Zeit bestand schon eine große Vielfalt an Nutzpflanzen: Emmer, Dinkel, Gerste, Rispenhirse, Erbse, Linse, Lein und Schlafmohn (KÜSTER 1999). In die Eisenzeit wurden Funde datiert, die am Medeweger See und am Sachsenberg durch Ausgrabungen freigelegt wurden. Darunter befindet sich unter anderem ein Urnenfriedhof (BORCHERT 1986). (?)    Mit der Völkerwanderung am Ende des 4. Jahrhunderts zogen auch die Stämme aus dem Raum Mecklenburg ins südliche Europa oder in den Nordwesten ab (KARGE et al. 2000).

Die Slawenzeit und die Gründung Mecklenburgs
   Das gesamte jetzige Norddeutschland wurde nach der Abwanderung der germanischen Stämme von Slawen besiedelt. Das waren für den westlichen Raum (Oldenburg bis Rostock) die Obotriten und in Ostmecklenburg die Wilzen (später Lutizen). Ihre Zeit war besonders geprägt durch die wiederholten Auseinandersetzungen mit den umliegenden Reichen. In diesen Kämpfen entstanden bereits annähernd die Grenzen des heutigen Mecklenburg. Eine während eines deutschen Feldzuges ausgestellte Urkunde erwähnt 995 zum ersten Mal die „Michelenburg“ (heute Dorf Mecklenburg südlich von Wismar). Die Slawen entwickelten die landwirtschaftliche Kultur besonders im Roggenanbau weiter, erreichten aber nicht den Stand im restlichen Deutschland. (KARGE et al. 2000)
    Im 12. Jahrhundert waren die slawischen Fürsten den Übernahmebestrebungen der deutschen Nachbarn nicht mehr gewachsen. Heinrich der Löwe siegte 1167 gegen den Obotritenfürsten Niklot, belehnte aber seine Nachkommen mit ihrem früheren Herrschaftsgebiet rund um die Mecklenburg. Somit unterlagen die slawischen Fürsten zwar, konnten aber die Macht in ihrem Reich an sich halten. Die Geschichte des mecklenburgischen Fürstenhauses ist in den folgenden Jahrhunderten durch Machtkämpfe innerhalb der Fürstenfamilie geprägt, die immer wieder zu Landesteilungen und einer Schwächung der Machtposition im Lande führten.
   Kennzeichnend für Mecklenburg war die sehr geringe Bevölkerungsdichte. Um das Land zu besiedeln wurden Bauern von westlich der Elbe gelegenen Gebieten mit niedrigen Steuern und anderen Vergünstigungen angeworben. Diese brachten im landwirtschaftlichen Bereich viele Neuerungen wie die Dreifelderwirtschaft, die Hufenverfassung und schwerere Pflüge. Neue Siedlungen wurden oft in der Nähe bereits bestehender angelegt. Die Dorfnamen wurden dann durch Zusätze wie „Alt“ und „Neu“ oder „Klein“ und  „Groß“ unterschieden. Die slawische Bevölkerung wurde nicht vertrieben, sondern in die neuen Strukturen eingebunden. In das 13. Jahrhundert fällt auch die Gründung der meisten mecklenburgischen Städte. (KARGE et al. 2000)
   Am 23. 2. 1186 wird das Dorf Medewege erstmals in einer Urkunde, in welcher Papst Urban II. das Bistum Schwerin (Zuerin) bestätigt, erwähnt. Der Name stammt vom altslawischen Wort „medvêdi“, was Honigsucher bedeutet, womit sowohl der Bär als auch Menschen, die Honig suchen, gemeint sein können. (Siehe auch ...) Am 2. 7. 1217 schenkt Gunzelin, der Graf von Schwerin, das Dorf Meduwede der Kirche zu Schwerin (VEREIN FÜR MEKLENBURGISCHE GESCHICHTE UND ALTERTUMSKUNDE 1863). Aus der Lage der Bischofsmühle am Pfaffenteich lässt sich schließen, dass der Medeweger See in dieser Zeit einen um 1,5 bis 2 m höheren Wasserstand hatte als heute. (Siehe auch ...) Wie auch der Name schon sagt, wurde im hohen Mittelalter im Hopfenbruch am Südende des Medeweger Sees Hopfenanbau betrieben. (JESSE 1913)

Aus dem Riksarkivet, um 1750, Schwerin und Ziegelsee, zwar querliegend ist hier die Bischofsmühle und ein Extrastau des Aubachs zu sehen

Spätmittelalter
   Die im 13. Jahrhundert gegründeten Städte konnten sich in den folgenden Jahrhunderten stark entwickeln. Besonders Wismar und Rostock als Mitglieder der Hanse erlebten eine Blütezeit. 1419 wurde die Universität in Rostock gegründet. Auf dem Land bildete sich die Grundherrschaft des Feudaladels heraus, indem diesem von den Landesherren Ländereien zum Lehen gegeben wurden. Damit wurden die Grundherren Verwalter und konnten Abgaben erheben. Der Feudaladel konnte im Laufe der Zeit den Landesherren immer mehr Privilegien abtrotzen. Unterlag ihm zunächst nur die niedere Gerichtsbarkeit (Steuern, Verwaltung, kleinere Vergehen), konnten immer mehr Grundherren auch weitergehende Rechte bis hin zur hohen Gerichtsbarkeit (Eigentumsstreitigkeiten, schwere Vergehen) erlangen. Damit waren auch immer Beteiligungen an den steuerlichen Einnahmen verbunden. Durch die Erlangung der Gerichtsbarkeit konnten die Grundherren immer stärker über die Bauern bestimmen. Im Vergleich zu den aufstrebenden Schichten in den Städten blieb der Feudaladel jedoch in seiner wirtschaftlichen Entwicklung zurück. Um ihre Einnahmen zu vermehren, gingen die Grundherren dazu über, neben den Geld- und Naturalabgaben auch Dienste auf dem herrschaftlichen Gut zu verlangen. Die soziale Stellung der Bauern wurde von der der Städter abgekoppelt, sie durften sich nun nicht mehr „cives“ nennen. Es wird aber davon ausgegangen, dass es den Bauern für damalige Verhältnisse noch relativ gut ging. Neben den Landesherren und dem Feudaladel besaß auch die Kirche große Ländereien mit landesherrlichen Rechten (KARGE et al. 2000).

Frühe Neuzeit
   Ständige Machtkämpfe innerhalb der Fürstenfamilie und eine starke, aber erfolglose außenpolitische Ausrichtung der Interessen führten zu erheblichem Machtverlust der Landesherren. Besonders die Städte konnten sich immer mehr Rechte sichern. Die Ritterschaft strebte die Einheit der Landstände an, um die eigenen Interessen besser durchsetzen zu können. Durch ihre mittlerweile starke Macht hatten sie damit auch großen Einfluss auf die Einheit des Landes, konnten aber ein Auseinanderfallen doch nicht immer verhindern.
   Die Reformation wurde nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen durch Übereinkunft von Landesherren und Landständen 1549 eingeführt. Der Grundbesitz der Klöster ging meist in landesherrlichen Besitz über. Über die Zeit nach der Reformation wird von JESSE (1913) gesagt, dass die Kirchen nicht mehr in der Lage waren, ihren Besitz instand zu halten. So blieben dem Domkapitel Schwerin von 14 Gütern und Dörfern um 1550 im Jahre 1632 nur noch Medewege und Rampe. 1648 ist dann auch der Kapitelhof Medewege an den Landesherrn übergegangen.
   In dieser Zeit wurden die Grundlagen für die spätere Gutsherrschaft in Mecklenburg gelegt. Der Agrarsektor erlebte zu dieser Zeit einen erheblichen Aufschwung, der Bedarf an Nahrungsmitteln und damit auch die Preise stiegen stark an. Die Grundherren, die bis dahin fast nur Wirtschaften für den Eigenbedarf hatten, wollten diese Entwicklung zur Steigerung der eigenen wirtschaftlichen Stärke nutzen. Dazu konnten sie zum einen die Abgaben erhöhen und zum anderen ihre eigenen Ländereien vergrößern. Eine größere Anzahl von Bauernstellen war durch Pest und Abwanderung in die Städte wüst gefallen. Diese sowie schon länger nicht bewirtschaftetes und auch frisch gerodetes Land wurden den in dieser Zeit neu entstehenden Bau- und Meierhöfen zugeschlagen. Das geschah sowohl bei landesherrlichem und städtischem als auch bei ritterschaftlichem Besitz. Besonders der Feudaladel begann jetzt auch, den Bauern immer schwerere Dienste aufzuerlegen. Höhepunkt dieses Prozesses war das Bauernlegen, das heißt das Land, das bisher in Erbzins den Bauern zur Verfügung stand, wurde den Gütern des Adels zugeschlagen. Die Bauern durften allerdings nicht abwandern, sondern mussten auf den herrschaftlichen Gütern arbeiten. Grundlage dieser Entwicklung war die Erlangung der Gerichtsbarkeit durch die Grundherren.
   Auch von Seiten der Rechtssprechung wurden die Bauern in ihrer Position geschwächt. In einem Prozess des Auflebens des römischen Rechts wurde ihre Stellung mit der der Sklaven gleichgesetzt. Damit stand die weitere Entwicklung bis hin zur Leibeigenschaft auch auf einer „soliden“ rechtlichen Grundlage. Diese Entwicklung ging jedoch zunächst sehr langsam voran, so dass laut Geschichtswissenschaft gesagt wird, dass Mecklenburg bis zum Dreißigjährigen Krieg noch weitgehend ein Bauernland war (KARGE et al. 2000).
   1496 hatte Groß Medewege 21 Einwohner und Klein Medewege, das zum herzoglichen Amt Schwerin gehörte, 27. 1516 gibt es in Klein Medewege 5 Hüfnerstellen (BORCHERT 1986).

Dreißigjähriger Krieg
   Mecklenburg war mehrfach Schauplatz der Kämpfe zwischen den katholischen und protestantischen Kriegsparteien und wurde neben Württemberg und der Pfalz am schwersten in Mitleidenschaft gezogen. Nur ein Viertel bis ein Sechstel der Bevölkerung überstand den Krieg. Zum Teil fielen über 90 % der Bauernstellen wüst. Ein Wiederaufbau der Höfe war den Bauern zum großen Teil nicht möglich. Oft mussten sie für die Güter des Adels arbeiten. Dies war die Zeit, in der die Gutsherren die meisten Bauernstellen legten und ihre Ländereien stark ausdehnten. Um von den Gutsherren höhere Steuern verlangen zu können, gaben die Landesherren ihnen weitestgehende rechtliche Zugeständnisse. Die Leibuntertänigkeit war damit von höchster Stelle genehmigt, die typisch mecklenburgische Gutsherrschaft war entstanden. (KARGE et al. 2000)
   1647 wird Klein Medewege zum Lehen gegeben und kommt Ende des 17. Jahrhunderts durch Kauf wieder zum domanialen Bereich, d.h. in den Besitz des Landesherren (BORCHERT 1986).

Bertram Christian von Hoinkhusen, um 1700

Absolutismus
   Die Politik nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde geprägt durch verschiedene Versuche der Landesherren, die Macht wieder vollständig an sich zu reißen. Dies scheiterte jedoch an der Macht der Landstände, die zum Teil durch Mithilfe des Kaisers ihren Einfluss behaupten konnten. Aber auch Teile der Herrschaftsfamilie verbündeten sich mit der Ritterschaft und verhinderten damit die Politik des Absolutismus (KARGE et al. 2000).
   1655 wird Groß Medewege als Meierhof mit 22 Einwohnern genannt, welches 500 bis 600 Schafe besitzt. Die Bewohner von 5 umliegenden Dörfern mussten als Leibeigene Hand- und Gespanndienste für Groß Medewege leisten (BORCHERT 1986). (Siehe auch ...)
   Im Rahmen eines Erbfolgestreits wurde das Land 1755 in Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz geteilt. Dies und andere Regelungen wurden im „Landesgrundherrlichen Erbvergleich“ festgesetzt: Die Ritterschaft konnte ihre rechtliche Stellung weiter ausbauen. So wurde die gewohnheitsrechtliche Steuerfreiheit in geltendes Recht umgesetzt. Nur für nach dem Dreißigjährigen Krieg dazu gewonnene Hufen mussten Abgaben gezahlt werden. Die Landesherren verpflichteten sich, jährlich Landtage abzuhalten, in denen die Landstände (Ritterschaft) und Vertreter der Landschaft (Städte) ihre Interessen gegenüber der Landesregierung vertreten konnten. Mecklenburg war damit zu dieser Zeit ein sogenannter Ständestaat. Nur in Angelegenheiten des Domaniums entschieden die Landesherren allein.
   Das Bauernlegen erreichte in der Mitte des 18. Jahrhunderts seinen Höhepunkt aufgrund des damals lukrativen Getreidehandels. Des Weiteren wurde die Holsteinische Koppelwirtschaft eingeführt. Statt der Dreifelderwirtschaft wurden nun sieben bis zwölf Schläge mit Getreide, Erbsen, als Brache und Weide bewirtschaftet. Die Erträge verdoppelten sich, die Viehhaltung wurde intensiviert. Die Bedeutung von Weizen neben Roggen nahm zu. Für diese Wirtschaftsweise war die bis dahin noch verbreitete Streulage der Gutsflächen schlecht handhabbar, so dass weiterhin viele Bauernhöfe gelegt wurden.
   Zwischen 1730 und 1740 wurde die Kartoffel eingeführt, einige Gutsbesitzer experimentierten mit dem Kleeanbau. Mit der Schafzucht wurde Ende des 18. Jahrhunderts in größerem Rahmen begonnen, wobei Mecklenburg eine Vorreiterrolle zugeschrieben wird (KARGE et al. 2000).

Karl Friedrich Wiebeking 1786

   Die Wiedekin´sche Karte zeigt die Landschaftsstrukturen nur sehr undeutlich. Die große Fläche nördlich des Medeweger Sees wird in Nord-Süd-Richtung von einem Weg durchquert, der etwa in Höhe der Sölle auf den Weg von Klein Medewege nach Barner Stück trifft. Nördlich des Punktes, der nach neueren Karten die höchste Erhebung darstellt, sowie westlich der Sölle befinden sich zwei grün gefärbte Flächen, bei denen es sich um Grünland handeln könnte. Der Acker wird von Klein Medewege ausgehend von drei Linien durchzogen, die Schlaggrenzen darstellen könnten. Das Feuchtgrünland nordöstlich des Medeweger Sees zieht sich noch nicht ganz um den See herum, zum Teil reicht der Acker noch bis an den See. Am Übergang vom Acker zum nördlichen Auenbereich befindet sich eine Baumreihe. Gut auf der Karte zu sehen sind die Grenzen Groß Medeweges, die sich vom Aubach und vom Medeweger See nach Osten bis zum Ziegelsee und nach Süden bis zur Bischofsmühle am Pfaffenteich hinziehen. Der Name der Siedlung südlich von Groß Medewege konnte nicht entziffert werden.

(Kommentar: auf der Karte von Schmettau 1887 kann man um die vermeintliche Siedlung viele Flurnamen gut erkennen. "Peters B.", "Lange Sol", "Sassen B." und "Lehn B.". Und dort steht "Holl: u: Schaf?". Der lange Soll ist heute entwässert und nur als Senke zu erkennen, Sachsenberg und Lewenberg sind bekannte Namen. Es darf vermutet werden, dass am fraglichen Ort Schafstallungen standen, in denen gewiß gleich ein paar Schäfer hausten. Dass es sich aber mehr um eine landwirtschaftliche Größe handelt als um eine eigenständige Siedlung. Mag es vor der Abschrift "Woll- und Schafzucht" geheißen haben. (Von einer anderen Siedlung Kloteke/Hilgendorp als zwischen Schwerin und Wickendorf gelegen ist durchaus die Rede, vielleicht ist der braune Fleck am Ziegelsee ein Hinweis. Siehe auch...) Siehe Bild, auch in der Galerie im Nachwort.)

Schmettau, 1887, Medewege Süd

Napoleonische Zeit

   1806 wurde Mecklenburg durch französische Truppen besetzt und dadurch schwer belastet. Es mussten hohe Kontributionen an Frankreich gezahlt werden. Ein schwerer Schlag war die Kontinentalsperre, die den Seehandel der Städte Wismar und Rostock praktisch zum Erliegen brachte. In Folge des Zusammenbrechens der Wirtschaft wurden viele Güter aufgegeben und oft an zahlreiche Nachfolger aufgeteilt. 1812 begann die Befreiung von den Franzosen, die aber noch einmal bis nach Rostock vordringen konnten und schwere Verwüstungen hinterließen (KARGE et al. 2000). In dieser Zeit waren auch Schwerin und Groß Medewege von französischen Truppen besetzt (JESSE 1913). Mecklenburger Truppen beteiligten sich dann an den Befreiungskriegen bis hin zur Schlacht von Waterloo (KARGE et al. 2000).

1816 – 1871
   1816 hob der erste Gutsherr die Leibeigenschaft auf. Auf dem Landtag 1819 wurde dann die Abschaffung der Leibeigenschaft beschlossen, die im domanialen Bereich bis 1824 abgeschlossen war. Die Ritterschaft behielt die Leibeigenschaft zum Teil bis 1860 bei. Viele ehemalige Leibeigene wurden zu Tagelöhnern, fanden aber oft keine Arbeit. 1824 wurde eine größere Zahl von ihnen nach Brasilien verbannt und es gab kleinere Bauernproteste.
   Die durch die Kontinentalsperre ausgelöste Agrarkrise verschärfte sich um 1820. Viele Gutsbesitzer gaben ihre Güter auf. Auf der anderen Seite führte sie zur Einführung moderner Produktionsweisen. In den Städten und unter bürgerlichen Gutsbesitzern machte sich Unmut über die Macht der Landstände breit. Langwierige Verhandlungen führten zur Machtbeteiligung bürgerlicher Gutsbesitzer, die jedoch langfristig die Einführung der konstitutionellen Monarchie anstrebten.
   Durch das Überwiegen traditioneller Produktionsweisen (Landwirtschaft, Handwerk) konnte die industrielle Revolution nur sehr zögerlich Fuß fassen. Bis 1850 wurde ein Netz befestigter Straßen (Chausseen) angelegt, 1846 fuhr die erste Eisenbahn  (KARGE et al. 2000). 1834 wird die heutige B 106 als zweite Kunstchaussee Mecklenburgs in Betrieb genommen (BORCHERT 1986). 1848 folgt die Eisenbahn Schwerin-Wismar (STADTGESCHICHTSMUSEUM SCHWERIN). Auf dem Medeweger Feld wurde 1827 mit dem Bau der „Landesirrenanstalt Sachsenberg“ begonnen, die 1830 fertiggestellt wurde (JESSE 1913).

 Die Revolution 1848 wurde besonders von der Landbevölkerung aufgegriffen. Es kam zu bewaffneten Aufständen für freies bäuerliches Eigentum, Reduzierung des Großgrundbesitzes und Abgabe von Land an Landarbeiter. Diese Aufstände wurden jedoch mit massiver militärischer Gewalt niedergeschlagen. Auch Angriffe auf die Macht der Landesherren konnten sich nicht durchsetzen (KARGE et al. 2000). Auch die Medeweger Tagelöhner stellten Forderungen zur Verringerung der Dienste, denen ebenfalls nicht entsprochen wurde (BORCHERT 1986).
   1862 und 1867 wurden Gesetze erlassen, die die Bauern zum Freikauf ihrer Bauernstellen zwangen. Da viele diese Zahlungen nicht leisten konnten, mussten sie ihre Höfe den Großgrundbesitzern überlassen und es kam zur Massenauswanderung nach Amerika (KARGE et al. 2000).

   Bis spätestens 1874 wurde der Aubach begradigt. Auf dem Luftbild aus dem Jahr 1953 (s. Abb. 23) ist der frühere Verlauf zum Teil zu sehen. Es ist auch zu sehen, dass die große Fläche nördlich des Medeweger Sees keine Landschaftsstrukturen enthält. Der Weg von Klein Medewege Richtung Norden biegt nach ca. 750 m nach links ab und wird von einer Hecke oder Baumreihe begleitet.
Integration in das Deutsche Reich
   1871 erfolgte die Eingliederung der mecklenburgischen Kleinstaaten in das Deutsche Reich. Liberale Abgeordnete im Reichstag versuchten immer wieder, die Macht der Ritterschaft zu beschränken, konnten sich aber nicht durchsetzen. Trotz der fortschreitenden Industrialisierung war die Landwirtschaft der wichtigste Wirtschaftsfaktor. Auf den ritterlichen Gütern kam es durch die schweren Arbeitsbedingungen zu einer fortdauernden Abwanderung, im Domanium, dem landesherrlichen Besitz, wurden gezielt Büdner und Häusler angesiedelt.
   Der 1. Weltkrieg traf Mecklenburg mit voller Härte, der Seehandel brach zusammen, Pferde wurden beschlagnahmt, Vieh, Korn und Futter mussten an das Heer abgeliefert werden. Viele Handwerksbetriebe mussten daraufhin schließen. Ab 1917 gab es immer häufiger Hungerunruhen und Streiks (KARGE et al. 2000).
   Für das Gut Medewege wurde ein Wirtschaftsplan für die Jahre 1914-1930 erstellt. Dieser sieht folgende Fruchtfolge vor (STADTARCHIV SCHWERIN):
   I.     Hafer und Gerste mit Klee    künstlicher Dünger
   II.    Weizen und Roggen            künstlicher Dünger
   III.                   ?                    Stalldung
   IV.   Hafer und Gerste               künstlicher Dünger
   V.    Weizen
   VI.   Raps
   VII.  Brache                            Stalldung
   VIII. Klee
  

   Im November 1918 brach in Mecklenburg die Revolution aus, Arbeiter-, Bauern- und Matrosenräte übernahmen die Macht. Am 8. November dankte der Großherzog ab. Am 3. Dezember wurden die Stände als Körperschaften öffentlichen Rechts aufgehoben und durften nur noch als Vereine existieren (KARGE et al. 2000).

Demokratie und Diktatur
   Nach der Revolution wurden innerhalb weniger Monate die verfassungsgebenden Landtage gewählt, 1920 dann die ordentlichen Landtage. Größter Wirtschaftsfaktor war immer noch die Land- und Forstwirtschaft mit 60 % Großgrundbesitz. Durch die schlechte Lage der Landarbeiter kam es immer wieder zu Unruhen, die allerdings nicht zur Verbesserung der Lage, sondern oft zu Massenentlassungen führten. Es gab jedoch auch Programme zur Parzellierung und Neuaufsiedelung von Gütern. Ein Volksentscheid zur Enteignung der Fürsten konnte sich nicht durchsetzen. Der ehemalige Großherzog blieb damit größter privater Großgrundbesitzer und erhielt zudem eine jährliche Abfindung. 1924 begann ein wirtschaftlicher Aufschwung, die „Goldenen Zwanziger“. Die Wirtschaftskrise Ende der zwanziger Jahre hatte auch in Mecklenburg große Auswirkungen. Eine Vielzahl von Betrieben geriet in den Ruin, die Zahl der Arbeitslosen stieg stark an und die radikalen Parteien erhielten großen Zulauf (KARGE et al. 2000).
   Nach der Machtübernahme der NSDAP 1933 wurden die beiden Parlamente Mecklenburgs aufgelöst und ohne Kommunisten neu gebildet. Sie beschlossen in ihrer letzten Sitzung im Oktober 1933 die Vereinigung von Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz. Der antifaschistische Widerstand wurde bis 1935 weitestgehend aufgelöst. Es erfolgten Angriffe auf jüdische Geschäfte, Wissenschaftler, Ärzte und Unternehmer. Auf dem Lande änderte sich relativ wenig, da hier kein großer Widerstand auftrat. 1938 wurde die Möglichkeit eingeführt, einen Erbpachthof zu erwerben (KARGE et al. 2000). 1935 werden Klein und Groß Medewege vom Land Mecklenburg an die Stadt Schwerin verkauft (STADTARCHIV SCHWERIN). Damals wohnten in Groß Medewege 189 und in Klein Medewege 84 Personen (STADTGESCHICHTSMUSEUM SCHWERIN).
   Durch die Einberufungen für den Zweiten Weltkrieg entstand ein großer Mangel an Arbeitskräften. Dieser wurde durch den Einsatz von Kriegsgefangenen ausgeglichen, die 1943 die Hälfte aller Beschäftigten ausmachten. In der Rüstungsindustrie mussten auch Häftlinge aus Konzentrationslagern arbeiten. Die ersten drei Kriegsjahre verliefen ohne große Beeinträchtigungen. 1942 wurden zweimal Juden nach Auschwitz und Theresienstadt deportiert. 1942 schwenkte die Stimmung um, der Blitzkrieg im Osten war gescheitert, Gefallenenmeldungen häuften sich, Lebensmittel wurden rationiert. Die Luftangriffe begannen sich zu verstärken. Zunächst wurde die Rüstungsindustrie angegriffen, später zur Demoralisierung auch Wohngebiete. Mecklenburg wurde 1942 das erste Opfer der Flächenbombardierungen, Rostock war die damals am schwersten betroffene Stadt. Die schwersten Angriffe fanden 1944 und im April 1945 statt. Industrieanlagen waren zu 80 % zerstört, Wohnanlagen zu 28 % (Beispiel Wismar). Im April/Mai 1945 wurde Mecklenburg von sowjetischen und britischen Truppen in fünf Tagen eingenommen. Am 2. Mai kapitulierte die Wehrmacht. (KARGE et al. 2000)

Nachkriegszeit und DDR
   Die britischen Truppen zogen bis zum 1. Juli aus Mecklenburg ab. Das Land war in chaotischem Zustand, die Lebensmittelversorgung war zusammengebrochen, es herrschten Angst und Gewalt und Seuchen brachen aus. Der Grad der Obdachlosigkeit war sehr hoch, nur für 42 % der Menschen gab es Arbeitsplätze. Kommandanturen der Roten Armee waren für die öffentliche Ordnung in Mecklenburg, zu dem jetzt auch Vorpommern gehörte, verantwortlich. Mitglieder der SS, der NSDAP, Gutsbesitzer, Unternehmer und kritische Mitglieder aller Parteien wurden verhaftet und in Lager gebracht. Industrieanlagen wurden beschlagnahmt und zum Teil als Reparationsleistung demontiert, andere Betriebe liefen als Volkseigentum weiter. (KARGE et al. 2000)
   In einem Bericht der Grundstücksverwaltung vom 27. Mai 1945 finden sich folgende Angaben zu Groß Medewege: Der Pächter und seine Frau sind geflohen, die Ländereien sind bestellt, der Viehbestand beträgt 73 Stück Rindvieh und 28 Pferde. Schweine, Zuchtbullen und Schafe wurden gestohlen. Das Gutshaus ist mit Flüchtlingen überfüllt; zu Klein Medewege: Der Pächter ist in Gefangenschaft, die Ländereien sind bestellt, auf dem Hof sind sehr viele Flüchtlinge untergebracht (STADTGESCHICHTSMUSEUM SCHWERIN).
   Von besonderer Bedeutung war die Bodenreform, die von breiten Teilen der Öffentlichkeit mitgetragen wurde. Ca. 2.000 Güter, das entsprach der Hälfte der landwirtschaftlichen Fläche, wurden in ca. 160.000 Wirtschaften aufgeteilt. 13.000 Höfe mit bis zu 100 ha blieben erhalten. 333 nicht aufgeteilte Güter wurden in Staatsgüter umgewandelt. Die Luftbilder von 1945 und 1953 veranschaulichen diese Entwicklung. Die Flächen der Güter Klein und Groß Medewege änderten sich in der Schlagaufteilung, aber kaum in der Größe. Die Felder im Raum Wickendorf (nordöstlich von Medewege) wurden dagegen an die Kleinbauern aufgeteilt.

Flächenstruktur um Medewege
   Viele enteignete Familien flohen in den Westen. Die Industrie erholte sich nur langsam. Es wurde mit der Produktion einfacher Güter des täglichen Bedarfs begonnen. Mühlen, Molkereien, Zuckerfabriken, aber auch Tabakfabriken und Brennereien wurden vorrangig wieder aufgebaut. Im Rahmen der Schulreform wurden neue Lehrbücher ausgegeben und „Neulehrer“ geschult. Auch das kulturelle Leben wurde durch Theater, Kinos und Museen wieder eingerichtet. Nach dem Zusammenschluss von KPD und SPD zur SED übernahm diese nach und nach die Führungsrolle in der Politik.
   Viele Kleinbauern konnten die zu hoch angelegten Ablieferungsquoten nicht erfüllen, so dass sie ihre Wirtschaften dann oft wieder aufgeben mussten. 1951 blieben in Mecklenburg-Vorpommern deshalb 87.000 ha unbewirtschaftet. Die Nichterfüllung des Plansolls wurde mit der Zersplitterung der Fläche begründet, wodurch erste Überlegungen zur Kollektivierung aufkamen.
   1950, nach der Ausschaltung oppositioneller Kräfte und nach der Gründung der DDR im Oktober 1949, wurden Neuwahlen für alle politischen Ebenen der DDR durchgeführt. Zuvor hatte die SED ein Wahlbündnis mit den vier anderen existierenden Parteien durchgesetzt, bei dem die Verteilung der Sitze bereits vorher feststand. Am 1. August wurde das Land Mecklenburg und dessen Landtag aufgelöst und in die Bezirke Neubrandenburg, Rostock und Schwerin überführt (KARGE et al. 2000).
   Die Güter von Groß und Klein Medewege dienten zunächst der Versorgung der Roten Armee. 1946 wurden sie zu einem Landesgut zusammengefasst. Später stand dann die Versorgung der Einwohner Schwerins im Vordergrund. Zeitweise arbeiteten 50-80 Arbeiter aus der Stadt auf dem Gut mit. 1960 wurde das Gut Medewege mit dem VEG Kirch Stück und 1970 mit dem VEG Klein Trebbow zusammengelegt. Nach einigen Umstrukturierungen war das Gut dann Teil der LPG Lübstorf (BORCHERT 1986). Das Gut Klein Medewege (424 ha) spezialisierte sich auf Rindermast, Groß Medewege (319 ha) auf Schweinezucht und Milchvieh (STADTGESCHICHTSMUSEUM SCHWERIN).

Die Wendezeit
   Die Volkseigenen Güter wurden bereits wenige Monate nach Beginn der Wende im Frühjahr 1990 geschlossen, das Vieh wurde verkauft und die Mitarbeiter entlassen. Die Pflanzenproduktion der LPG Lübstorf wurde von der Agrargenossenschaft Lübstorf weitergeführt. (Für die weitere Entwicklung in den 90er Jahren siehe Kapitel 2)

Zusammenfassung
   Wie fast alle Landschaften Mitteleuropas wurde auch Mecklenburg durch die landwirtschaftliche Nutzung geprägt. Dabei bildete sich in Teilen eine Polarität zwischen grundherrlichem und landesherrlichem Besitz heraus. Grundherrlicher Besitz war durch große Güter geprägt, fast alle Bauernstellen waren niedergelegt und die Flächen den Gütern eingegliedert. So entstanden große Flächen. Auch in landesherrlichem Besitz gab es große Güter wie unter anderem Groß und Klein Medewege. Diese waren in ihrer Struktur mit den ritterlichen Gütern zu vergleichen. Es gab jedoch von Seiten des Landesherren immer Bestrebungen, die Schicht der Bauern zu erhalten, so dass das Bauernlegen nicht in so großem Umfang betrieben wurde. Außerdem wurden durch ihn immer wieder Bauernstellen neu eingerichtet.
   Auf der großen Fläche nördlich des Medeweger Sees sind schon in der Karte von 1874 keine Strukturen mehr zu finden. Der in der Karte von 1786 noch eingezeichnete Weg ist spätestens dann verschwunden. Das Luftbild von 1945 (s. Abb. 24) zeigt jedoch, dass die Fläche nicht einheitlich bestellt gewesen ist, sondern in mehrere Schläge aufgeteilt war. Im Zuge der Bewirtschaftung durch die LPG Lübstorf wurden diese Schläge zusammengelegt. Westlich der großen Fläche nördlich des Medeweger Sees ist der Schatten einer Baumreihe zu sehen, die zusammen mit einem Hohlweg in den sechziger Jahren beseitigt wurde (s. Abb. 25).
   Es lassen sich also aus der Geschichte der Bewirtschaftung keine Anhaltspunkte für eine kleinräumige Strukturierung der Agrarlandschaft im Bereich nördlich des Medeweger Sees finden. Ansätze für die Gestaltung müssen aus den aktuellen Anforderungen der Landwirtschaft, den Bedürfnissen des Naturschutzes und den Ideen für die Nutzung als Erholungsraum aufgegriffen und in intensiver Auseinandersetzung mit den Eigenarten der Landschaft weiterentwickelt werden.